Genauigkeit beim Schwimmen ist kein einzelner Messwert. Bahnen zählen, Freiwasserdistanzen erfassen, Kalorien schätzen und die Herzfrequenz messen sind unterschiedliche Aufgaben. Ein Beleg für eine Messgröße bestätigt nicht automatisch die anderen.

Beckendistanz: unter manchen Bedingungen genau

Eine 2024 in Sensors veröffentlichte Studie umfasste sechs Schwimmer und testete die Apple Watch SE der ersten Generation in einem 50-m-Becken. Pro Uhr und Schwimmprotokoll gab es drei Versuche. Innerhalb jedes Protokolls waren die aufgezeichneten Distanzen in allen drei Wiederholungen identisch. Studie von 2024 und Datentabellen

Beckendistanzen der Apple Watch SE (Studie von 2024, Tabellen A2–A4)
ProtokollTatsächliche DistanzAufgezeichnete DistanzAbweichung
Durchgehend Kraul400 m400 m0%
Lagen, Stilwechsel alle 50 m200 m200 m0%
Lagen, Stilwechsel alle 25 m200 m300 m+50%

Entscheidend: Beim letzten Protokoll wurde der Schwimmstil in der Mitte eines 50-m-Beckens gewechselt. Es wurde nicht in einem 25-m-Becken geschwommen. Die Ergebnisse zeigen eine konkrete Fehlerquelle: Stilwechsel während einer Bahn. Umgekehrt belegen drei fehlerfreie Versuche unter üblichen Bedingungen keine perfekte Alltagsgenauigkeit.

Bahnen zählen ist nicht dasselbe wie Kalorien messen

Eine Studie von 2018 untersuchte die Apple Watch Series 2 bei 78 Schwimmern. Bahnen und Schwimmzüge wurden mit manuellen Zählungen verglichen, Kalorienschätzungen mit einer Atemgasanalyse. Je nach Geschwindigkeit lag der mittlere absolute prozentuale Fehler bei 0.5–6.1% für Bahnen und 6.2–9.3% für Schwimmzüge, gegenüber 17.1–151.7% für Kalorien. Das sind Spannen mittlerer Fehler zwischen Geschwindigkeiten, keine individuellen Best- und Schlechtestwerte. Validierungsstudie von 2018

Die Kalorienschätzung wurde bei höherem Tempo meist genauer, war bei langsamem bis mittlerem Tempo jedoch ungenau. Eine brauchbare Zählung garantiert keine genaue Schätzung des Energieverbrauchs. Diese Prozentwerte beschreiben die Series 2, nicht neuere Modelle.

Freiwasser braucht eigene Belege

In einem Freiwassertest von DC Rainmaker aus dem Jahr 2021 erfasste die Apple Watch Series 6 eine Distanz von 760 m gegenüber 690 m auf der GPS-Referenzspur, also etwa +10.1%. Das ist eine möglicherweise relevante Abweichung, betrifft aber nur eine Schwimmeinheit und keinen durchschnittlichen Fehler. Auch Referenz-GPS ist nicht mit einer vollkommen exakt bekannten Strecke gleichzusetzen. DC Rainmakers Freiwassertest von 2021

Die begrenzte, aber nützliche Folgerung: Genaues Bahnzählen im Becken beweist allein noch keine genaue Freiwasserdistanz.

Was weiterhin unklar bleibt

Schwimmer auf Reddit berichten sowohl von zuverlässiger Bahnzählung als auch von ausgelassenen Bahnen und Problemen bei gemischten Schwimmstilen oder Technikübungen. Solche Erfahrungen zeigen prüfenswerte Situationen auf, erlauben aber keine Aussage darüber, wie häufig Fehler insgesamt auftreten. Erfahrungsberichte von Schwimmern

Auch die Herzfrequenzgenauigkeit unter Wasser bleibt durch diese Belege ungeklärt: Die Studie von 2024 validierte die Herzfrequenz beim Laufen auf dem Laufband, nicht beim Schwimmen. Ergebnisse älterer Uhren lassen sich außerdem nicht automatisch auf neuere Hardware und Software übertragen. Methoden der Studie von 2024

Was das für dein Training bedeutet

Unsere Einschätzung: Die Apple Watch ist für übliche Trainingseinheiten im Becken nützlich, doch ihre Messgrößen verdienen unterschiedlich viel Vertrauen. Prüfe die Distanz nach ungewöhnlichen Serien und betrachte Kalorien als Schätzwerte. Entscheidend ist, ob der jeweilige Messwert für die betrachtete Schwimmeinheit genau genug ist.